Hinterher erscheint immer alles unvermeidlich – doch zu Beginn jeder technologischen Erfolgsgeschichte stehen Entscheidungen. Und sie haben häufig mit dem Einfluss Einzelner, mit Machtpositionen und dem Wechselspiel mit der Gesellschaft und den Konsumenten zu tun.
Technologien wie die Verarbeitung von Massendaten, die Digitalisierung aller Lebensbereiche, die Sozialen Medien oder heute Künstliche Intelligenz sind nie völlig „neutral“. Denn wie sie genutzt werden – zum Wohle der Menschen, der Firmen, der Staaten, oder eben der Diktatoren – ist durchaus keine basisdemokratische Entscheidung.
Unser Studiogast Prof. Dr. Debora Gerstenberger beschäftigt sich als Historikerin für Lateinamerikanische Geschichte mit der Frage, wie die Einführung der modernen IT mit der Geschichte von Staaten, Geheimdiensten und den Auswirkungen auf die Gesellschaften zusammenhängt.
In ihrem Projekt „Wired History. Computers, Humans, and the Making of Latin American Futures (1950s–2000s)“ macht sie die Zusammenhänge und auch Zufälle sichtbar, wie z.B. bei der Einführung von IBM Terminals beim brasilianischen Geheimdienst SNI.
Wie so oft bei #digdeep waren Frauke und ich völlig verblüfft über die Einblicke und Erkenntnisse, die wir aus einem Thema ziehen konnten, das wir überhaupt nicht auf dem sprichwörtlichen Computerbildschirm hatten. Der Blick zurück in die Geschichte, aus der wir kommen, gibt dem Blick in die Zukunft erst den notwendigen Kontext.

